Chor 1974 cut

Chris Vandré

Johan­nes Karl Christ­hard Van­dré wurde am 20. Novem­ber 1931 in Müden an der Aller gebo­ren. Bevor er 1972 nach Bre­men kam, um die Nach­folge von Harald Wolff beim Kna­ben­chor anzu­tre­ten, hatte er die Kan­to­rei an der Neu­städ­ter Hof- und Stadt­kir­che „St. Johan­nis“ in Han­no­ver gelei­tet. Fer­ner war er u.a. in sei­ner Hei­mat­stadt als Orgel­re­vi­sor tätig gewe­sen. Die­sem Instru­ment fühlte er sich auch in Bre­men ver­bun­den, gab viele Orgel­kon­zerte und setzte sich im Jahre 1984 mit großen Enga­ge­ment bei der Restau­rie­rung der Orgel in Unser Lie­ben Frauen ein. Chris Van­dré ent­wi­ckelte den Kna­ben­chor wei­ter und führte dabei die pro­fes­sio­nelle Stimm­bil­dung ein. Wenn­gleich er geplant hatte, den Chor bis Mitte der Neun­zi­ger­jahre zu lei­ten, musste er im Okto­ber 1992 krank­heits­be­dingt früh­zei­tig in den Ruhe­stand tre­ten. Gemein­sam mit sei­ner Frau Karin, die ihm und dem Chor bei allen Kon­zer­ten, Ves­pern und Got­tes­diens­ten stets zur Seite stand, zog er danach in die Haupt­stadt Ber­lin. Chris Van­dré, der in sei­ner Frei­zeit gerne künst­le­risch aktiv war, starb dort uner­war­tet plötz­lich am 5. April 2016.

Im schönsten Wiesengrunde

Seit Chris Van­drés Zeit als Kan­tor in Unser Lie­ben Frauen hängt im Chor­saal ein Por­trait von Johann Sebas­tian Bach. Und das war nicht zufäl­lig so, denn unter sei­nem zwei­ten Lei­ter führte der Chor regel­mä­ßig das Weih­nachtso­ra­to­rium, die Johan­nes-Pas­sion, das Mag­ni­fi­cat, Kan­ta­ten oder ein­zelne Cho­räle des ehe­ma­li­gen Tho­mas­kan­tors auf. Aber auch Mozarts Requiem erklang regel­mä­ßig in der Kir­che. Neun­mal im Jahr ver­kün­de­ten außer­dem an der Kir­che blaue Schil­der mit der wei­ßen Auf­schrift „Heute um 18 Uhr: Ves­per mit dem Kna­ben­chor“, dass man den damals ver­kaufsof­fe­nen ers­ten Sams­tag im Monat mit Musik in Unser Lie­ben Frauen aus­klin­gen las­sen konnte.
Fes­ter Bestand­teil war fer­ner das Weih­nachts­lie­der­sin­gen, das unter Van­dré an drei auf­ein­an­der­fol­gen­den Tagen jeweils um 18 Uhr statt­fand – und jedes Mal war die Kir­che bis auf den letz­ten Platz besetzt. Neben klas­si­schen Stücken fan­den hier auch Lie­der Ein­zug, die im nord­deut­schen Raum eher unbe­kannt waren – wie das „Tra­gö­ßer Krip­pen­lied“ aus der Stei­er­mark.
Als Gegen­satz zu den geist­li­chen Auf­trit­ten prä­sen­tierte Van­dré mit dem Chor im Som­mer­kon­zert auch Volks­lie­der. Hier domi­nierte – sozu­sa­gen als Pend­ant zu Bach – der frü­here Kreuz­kan­tor Rudolf Mau­ers­ber­ger. Unver­ges­sen bei Van­drés Chor­kna­ben sind sicher­lich „Der weiße Hirsch“, „Alle Vögel sind schon da“ und nicht zuletzt „Im schöns­ten Wie­sen­grunde“. Gerade im letzt­ge­nann­ten Lied spie­gelt sich Van­drés Liebe zu den Ber­gen wider. Chor­rei­sen führ­ten zumeist in den Süden, bei­spiels­weise nach Wien oder nach Süd­ti­rol. Aber auch der Harz war ein belieb­tes Ziel für Tages­aus­flüge.

Chris Van­dré lei­tete den Chor in einer schwie­ri­gen Zeit, in der das Chor­sin­gen für Kin­der und Jugend­li­che durch­aus nicht popu­lär war. Er führte den Kna­ben­chor mit fes­ter Hand. Damit, aber auch mit einer kräf­ti­gen Prise Humor wäh­rend der Pro­ben, gelan­gen „Vanni“, wie er in Chor­krei­sen genannt wurde, immer wie­der groß­ar­tige Auf­füh­run­gen.