Chor 1947

Harald Wolff

Harald Wolff kam am 23. August 1905 vor den Toren Ham­burgs zur Welt. Schon in jun­gen Jah­ren ent­schloss er sich, Kir­chen­mu­si­ker zu wer­den. Seine Aus­bil­dung für die­sen Beruf erhielt er an der Preu­ßi­schen Aka­de­mie der Künste in Ber­lin. 1933 kam er nach Bre­men und fand eine erste Anstel­lung an der Frie­dens­kir­che. 1935 nahm er die Stelle als Orga­nist und Kan­tor an Lieb­frauen an. Er hegte schon lange den Wunsch, einen Kna­ben­chor zu grün­den, doch konnte die­ses Pro­jekt erst nach dem Kriegs­ende und sei­ner Rück­kehr aus der Kriegs­ge­fan­gen­schaft ver­wirk­licht wer­den. Und so kamen am 14. Sep­tem­ber 1945 zum ers­ten Mal einige Jun­gen, es sol­len drei gewe­sen sein, in der Kir­che Unser Lie­ben Frauen zusam­men, um mit­ein­an­der zu sin­gen – das war der Beginn des Kna­ben­cho­res Unser Lie­ben Frauen. Gut drei Monate spä­ter san­gen am Hei­ligabend bereits 60 Jun­gen im Got­tes­dienst und bald war der Kna­ben­chor auch in regel­mä­ßi­gen Ves­pern und vie­len Kon­zer­ten zu hören. Harald Wolff war 37 Jahre lang, bis zu sei­nem alters­be­ding­ten Aus­schei­den 1972, Kan­tor an unse­rer Kir­che. Den Ruhe­stand ver­brachte er mit sei­ner Frau Hil­dur in Has­ber­gen nahe Bre­men, wo er am 2. Mai 1997 mit 91 Jah­ren verstarb.

Singet dem Herrn

Harald Wolff war ein Mensch, der sich mit allen Kräf­ten dafür ein­setzte, den evan­ge­li­schen Got­tes­dienst durch eine Musik zu berei­chern, die ihrer litur­gi­schen Funk­tion für den Got­tes­dienst gerecht wurde, und jun­gen Men­schen die Liebe zur Musik zu ver­mit­teln. Neben der musi­ka­li­schen Qua­li­tät lag ihm beson­ders die Litur­gik am Her­zen, die er den Jun­gen nahe­brachte und die ins­be­son­dere in den Ves­pern des Kna­ben­chors und in den Stun­den­ge­be­ten auf Chor­frei­zei­ten gelebt wurde. Auch führte er Chor­män­tel als litur­gi­sche Klei­dung ein und eine Cho­r­ord­nung mit fei­er­li­cher Ver­pflich­tung bei Auf­nahme neuer Jun­gen. Zugleich setzte er sich sehr für die Öku­mene ein. Darum sang der Kna­ben­chor oft in klei­nen und großen katho­li­schen Kir­chen und Mes­sen, in Dorf­kir­chen ebenso wie in der Kathe­drale von Char­tres und im Peters­dom in Rom. Harald Wolff orga­ni­sierte meh­rere öku­me­ni­sche Kna­ben­chor­tref­fen im In- und Aus­land mit, bei denen der Kna­ben­chor mit Chö­ren aus Frank­reich, Eng­land, Hol­land, Däne­mark und Schwe­den in Kon­zer­ten und Got­tes­diens­ten zusam­men­wirkte. Dabei soll­ten die Jun­gen in den zahl­rei­chen Aus­lands­rei­sen, die ab 1951 beson­ders in Län­der führ­ten, die vor­mals Kriegs­geg­ner waren, auch gute Bot­schaf­ter eines fried­li­chen neuen Deutsch­lands sein.

Neben der Chor­ar­beit war Harald Wolff als Hoch­schul-Dozent für Musik­ge­schichte und Litur­gi­sches Orgel­spiel tätig und gab als Orga­nist Kon­zerte auf Rei­sen, die ihn bis nach Nord- und Süd­ame­rika führ­ten. Auch lei­tete er das Blech­blä­se­ren­sem­ble der Gemeinde und schuf als Kom­po­nist ein umfang­rei­ches Werk an Ora­to­rien, Kan­ta­ten, Motet­ten und litur­gi­scher Musik.
Harald Wolff war ein klu­ger, gebil­de­ter und humor­vol­ler Mensch, der aber das Musi­zie­ren sehr ernst nahm („Mu­sica res severa est“: Musik ist eine ernste Sache) und sein Kan­to­ren­amt mit fes­ter Über­zeu­gung aus­übte. Für die Jun­gen des Kna­ben­chors war er stets im bes­ten Sinne eine Respekts­per­son, die ihnen Ori­en­tie­rung gab. Ohne seine enorme Tat­kraft gäbe es heute den Kna­ben­chor Unser Lie­ben Frauen nicht, durch den das Leben vie­ler jun­ger Män­ner musi­ka­lisch, christ­lich und sozial geprägt wurde und wird.

Hörproben

In allen mei­nen Taten (Satz: Harald Wolff)

Si dili­gi­tis me (Anony­mus, vor 1538)

Ubi cari­tas et amor (Mau­rice Durufle)